Der Berlin Marathon ist nicht nur ein Rennen, sondern auch ein Erlebnis. Dieser Lauf hat schon Millionen von Menschen geprägt und inspiriert. Alleine die Kulisse: Berlin, durchzogen von der Berliner Mauer und gesäumt von historischen Denkmälern, macht den Marathon zu einem einzigartigen Erlebnis. Und genau das kann ich bestätigen. Es fängt bereits mit der Anreise an, da Berlin nach wie vor eine meiner Lieblingsstädte in Deutschland ist. Die ganze Historie, die lockere Art und natürlich die Vielfalt haben Berlin für mich schon immer besonders gemacht. Und es blieb natürlich neben dem Rennen auch noch etwas Zeit für ein wenig Sightseeing in Berlin (auch wenn ich schon etliche Male dort war gibt es immer etwas, was ich noch sehen kann). Gleichzeitig ist es auch schön, wenn endlich der Tag näher rückt, an dem sich das bisherige Training auf Tag X endlich auszahlt: denn es erfordert eine kontinuierliche Anstrengung über Wochen und Monate hinweg sich immer wieder zum Training zu überwinden. Die langen Läufen, die intensiven Intervalle oder auch die regenerativen Einheiten verbessern nicht nur die Leistung, sondern bauen auch die mentale Widerstandsfähigkeit auf…

Der Marathon

Der Morgen des Marathons ist ein Wirbelwind aus Emotionen – Aufregung, Nervosität und Vorfreude. Ich bin um 6 Uhr aufgestanden, habe mich fertig gemacht und saß dann um 6.30 Uhr, knapp 3h vor dem Start, beim Frühstück: es gab Brötchen mit Marmelade und Honig, dazu einen Cappuccino. Genau so, wie ich es in den letzten Wochen vor den Läufen immer gehandhabt habe. Danach sind wir langsam via U-Bahn zum Brandenburger Tor gefahren. In der U-Bahn waren dementsprechend große Menschenmassen allesamt auch auf dem Weg zum Start. Dort angekommen ging es dann langsam zu den einzelnen Startblöcken. Je schneller, desto weiter vorne startet man. Kurz vorher noch von Dilan verabschiedet und rein in meinen persönlichen Tunnel. Ich mag diesen Zustand des Fokus und der Konzentration, da ich weiß, dass es gleich losgeht. Der Startschuss fiel um 9.15 Uhr. Und nachdem ich die Startlinie überquert habe, fing auch die Uhr an zu laufen. Der Kampf gegen die Zeit. Besser gesagt: gegen meine persönliche Bestzeit. Knacke ich die 3:20h-Marke?

Die ersten Kilometer können mühsam sein, aber es sind die inneren Barrieren, die überwunden werden müssen. Wobei sich die ersten 10km für mich gut angefühlt haben und ich diese mit einer Durchschnitts-Pace von 4:45min/km absolvieren konnte – also voll auf Zielkurs. Ab dort wurde ich minimal langsamer, doch konnte immerhin den Halbmarathon mit 1:42:05 laufen. Jetzt wäre der Zeitpunkt gewesen langsam aufzudrehen und die Pace zu erhöhen. Das ist mir bei bisherigen Rennen immer gut gelungen, da ich die zweite Hälfte immer schneller lief (negativer Split). Doch irgendwie war die Luft raus. Ich konnte die Geschwindigkeit nicht halten und bin leicht eingebrochen. Keineswegs dramatisch, doch wurden die Schritte schwerer. Das Ziel habe ich dann nach 3:29:29 endlich erreicht. Das Überqueren der Ziellinie war nicht nur ein physischer Triumph, sondern auch der Höhepunkt monatelanger Entschlossenheit. Und immerhin blieb ich noch unter 3:30h und wurde somit 8.158 von knapp 50.000 Teilnehmern.

Woran es lag, dass ich an diesem Tag in der zweiten Hälfte kein Vollgas mehr geben konnte, ist schwer zu sagen. Ich habe in den Tagen davor schon gemerkt, dass die Beine immer noch etwas schwer waren. Das ich mit Dilan die beiden Tage davor auch in Berlin unterwegs war und einiges an Schritten hatte, hat mit Sicherheit ein wenig dazu beigetragen. Gleichzeitig war das in Paris nicht anders. Ich denke, dass es alles in allem verschiedene Kleinigkeiten wie Stress (nicht nur körperlich, auch mental), die Schuhwahl und Ernährung waren, die dazu geführt haben, dass ich mein persönliches Ziel von unter 3:20:00 nicht knacken konnte. Sei’s drum! Der Lauf war trotzdem total spitze. Das Wetter, die Kulisse, die Zuschauer, die Organisation – alles. Und genau das macht den Berlin Marathon so besonders: die Straßen sind gesäumt von begeisterten Menschenmassen, die dich mit Jubelrufen, Musik und kreativen Plakaten anfeuern. Es herrscht eine gewaltige Energie entlang der Strecke, die ansteckend ist und jeden motiviert auch die letzten Kilometer mit einem Lächeln zu bewältigen.

Jeder Marathon ist auch immer eine Lehrerfahrung…

Laufen ist nicht nur körperlich herausfordernd, sondern auch eine mentale Disziplin. Es geht vielmehr darum sich selbst zu überwinden, als lediglich Kilometer abzuspulen. Es fängt alleine schon mit der Vorbereitung auf einen Marathon an: Zweifel sind ein ständiger Begleiter auf dem Weg dahin. Die Unsicherheit, ob man die Strecke bewältigt, die Angst vor Verletzungen und die mentalen Hürden – all dies gehört dazu. Doch diese Herausforderungen sind es, die den Marathon zu einer wahren Prüfung machen. Auch dieser Marathon hat mir gezeigt, dass die größten Erfolge oft jenseits der Komfortzone liegen. Jeder Schritt auf dem Weg zum Marathon war eine Lektion in Ausdauer, Zielsetzung und persönlichem Wachstum. Und genau das überträgt sich oft auf andere Bereiche des Lebens. Der Marathon spiegelt oft das Leben selbst wider. Es gibt Höhen und Tiefen, Momente der Euphorie und der Erschöpfung. Die Fähigkeit, diese Höhen und Tiefen zu akzeptieren und dennoch vorwärts zu gehen, ist eine der wertvollsten Lektionen für mich.

Alles in allem kann ich jedem, der mit dem Gedanken spielt, einmal in Berlin mitzulaufen, raten es zu tun. Einfach ein tolles Rennen. Gleichzeitig ist Berlin einer der 6 großen Marathons und einer der schnellsten. An dem Tag wurde auch der neue Weltrekord der Frauen von Tigst Assefa aufgestellt mit 2:11:53. Amanal Petros hat den deutschen Rekord gebrochen und ist nach 2:04:58 ins Ziel eingelaufen. Gewonnen hat Eliud Kipchoge mit 2:02:42.

Wie geht’s weiter?

Das lasse ich aktuell offen. Vielleicht werde ich dieses Jahr noch einen Lauf mitmachen, da es auch immer ein schönes Feeling ist. Nächstes Jahr werde ich jedoch sehr wahrscheinlich wieder einen der großen Marathons mitlaufen – einfach, weil man gleichzeitig auch die Gelegenheit bekommt einen Städte-Trip zu machen. In diesem Sinne: wenn dir der Artikel gefallen hat oder du Fragen hast, gerne kommentieren.

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